Raten oder wissen

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Aber jetzt:
      Das Heideröslein.
      Und der wilde Knabe brach
      's Röslein auf der Heiden;
      Röslein wehrte sich und stach,
      half ihm doch kein Weh und Ach,
      musst' es eben leiden.


      Mann, fast ein halbes Jahrhundert her und ich kanns immer noch!!
      Seid barmherzig. Das Leben ist schon schwer genug!
      Kutte Tucholsky
    • Liebe Gräfin,

      da muss ich widersprechen, denn der Erlkönig von Goethe thematisiert nicht die Vergewaltigung eines Kindes, sondern dessen Träume im Fieberwahn.

      Ihr bezieht Eure Interpretation sicher auf folgende Zeilen:

      Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
      Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt.
      Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an!
      Erlkönig hat mir ein Leids getan!


      Hierzu mal ein Auszug aus der Wikipedia:

      Der Begriff „Erlkönig“ kommt aus dem Dänischen und bedeutet ursprünglich „Elfenkönig“. Elfen sind magische Wesen der Mythologie, die eine ganz besondere Anziehungskraft auf Menschen ausüben sollen. Das Wort „Elfe“ stammt aus der Dichtung des 18. Jh. und wurde aus dem engl. „elf“ (aengl. „ælf“) entlehnt, womit eher so etwas wie „Zwerg“ gemeint war. „Elbe“ stellt wiederum eine singularisierte Form des Plurals von ahd. „alb“ bzw. mhd. „alp“ dar, was schon im Mittelalter die Bezeichnung für den Nachtmahr war, der die Schlafenden drückt (vgl. Albtraum). Entsprechend interpretiert Goethe den Erlkönig: als albtraumartigen Fiebertraum des Aberglaubens.

      Erlen, die ähnlich wie die Weiden in Sumpf- und Moorlandschaften beheimatet sind, haben die Menschen seit vielen Jahrhunderten in Angst versetzt. In ihnen wurden verschiedene Geister wie Nebelfrauen, Erlenfrauen, Irrlichter, Hexen und eben Erlkönige vermutet, was die Landbevölkerung einschüchterte. Wenn Erlenholz geschlagen wird, läuft es an den Schnittstellen blutrot an. Möglicherweise hat dies dazu geführt, dass die oben geschilderte Falschübersetzung so plausibel erscheint und sich so hartnäckig hält (ein Sprichwort sagt0: „Erlenholz und rotes Haar sind aus gutem Grunde rar.“).


      Ich habe auch sonst keinen Beleg für Eure Interpretation gefunden.

      Gruß Ivanhoe
      heute mal ohne Signatur

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Ivanhoe ()

    • Gerade die zitierten Zeilen waren es, die mich zuerst auf den Erlenchef gebracht hatten.
      "....jetzt faßt er mich an! Erlkönig hat mir ein Leids getan!" da ist eine solche Interpretation
      doch durchaus naheliegend. Aber ich muß zugeben, daß die einzigen Reime, deren Sinn ich
      auch verstanden hatte von Otto oder von Heinz Erhard stammten.
      :grins:
      Seid barmherzig. Das Leben ist schon schwer genug!
      Kutte Tucholsky
    • Ich glaube, daß man Goethes Erlkönig durchaus als Beschreibung eines Kindesmißbrauchs interpretieren kann.

      Das Gedicht ist 1782 entstanden - welche stilistischen Mittel außer dieser Metapher standen denn Ende des 18. Jahrhunderts zur Verfügung, um einen solchen Stoff zu thematisieren?

      Original von Ivanhoe
      Ich habe auch sonst keinen Beleg für Eure Interpretation gefunden.
      Bei Wikipedia nicht, da hast du allerdings recht. :grins:
      Gibt es schließlich eine bessere Form, mit dem Leben fertig zu werden, als mit Liebe und Humor?
      Charles Dickens

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Orthogräfin ()

    • Nönö, Wendy, so geht das nicht...

      Dein Ansatz mag zu Beginn noch Relevanz haben, aber die Geschichte entwickelt sich ja schließlich. Alles in allem gipfelt sie in dem Schlußworten:
      Ich sei, gewährt mir die Bitte,
      In eurem Bunde der dritte!

      Betonung liegt hier auf "Bund" und "dritte".
      Also wenn das nicht eindeutig ist, dann weiß ich auch nicht. :nicker:
    • Ich kam eigentlich gar nicht selbst drauf, sondern wir haben neulich mal im Freundeskreis darüber gesprochen. Da ging es erstmal nur um das Heidenröslein, das Gedicht wird beim Sohn eines Freundes gerade in Unterricht behandelt, und die Kinder sollten das es als Hausaufgabe interpretieren. Die Mama jat gegoogelt und dabei diese Interpretation mit der Vergewaltigungsphantasie mehrfach gefunden.

      Daraufhin habe ich die Frage hier im Forum gestellt, und wendlands Antwort hat mir doch sehr zu denken gegeben. Ich schrieb übrigens nicht, daß der Kindesmißbrauch die einzig mögliche Interpretation des Erlkönigs ist, ich habe da ja früher auch nicht daran gedacht.




      edit: Nebenbei bemerkt: ich finde nicht, daß man eine solche Diskussion ins Lächerliche ziehen muß.
      Gibt es schließlich eine bessere Form, mit dem Leben fertig zu werden, als mit Liebe und Humor?
      Charles Dickens

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Orthogräfin ()

    • Also ich weiß nicht von wann diese Weisheiten stammen, aus der Du Deine Quellen hast, Gräfin. Bitte nicht falsch verstehen, das geht nicht gegen Dich. Aber man kann wirklich hinter allem was negatives sehen und dann muss man das auch noch veröffentlichen. Ich schätze jedoch, dass es einige Generationen gebraucht hat, dass man zu diesem Schluss gekommen ist. War bestimmt ein Amerikaner, der das entdeckt hat. :D