Urteil im Sasser-Prozeß

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    • Urteil im Sasser-Prozeß

      spiegel.de/netzwelt/politik/0,1518,364256,00.html

      Der Programmierer von Sasser hat eine Jugendstrafe von 21 Monaten auf Bewährung bekommen, und er muß 30 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. So weit, so (meiner Ansicht nach) richtig.

      Aber was ich da in dem Spiegelartikel gelesen habe, ist doch Humbug:
      Ohne aktive Firewall wurden Rechner oft nach wenigen Minuten infiziert - allein dadurch, dass sie mit dem Internet verbunden waren.
      Was hat denn das bitte mit einer Firewall zu tun?

      Mit dem Update, das zwei Wochen vor dem großen Sasser-Angriff auf dem Updateserver von Microsoft zur Verfügung stand, hätte jeder Nutzer die Infektion des Rechners vermeiden können - das ist eine Tatsache, die so fest steht wie die Einkommensteuer.

      Also selbst schuld, wer den Sasser hatte?

      Natürlich ist die Programmierung schädlicher Software strafbar, und deshalb stand der Junge ja auch vor Gericht. Aber was ich nicht nachvollziehen kann, ist der hohe Betrag der wirtschaftlichen Schäden. Namentlich genannt sind hier Delta Airlines und die Postbank.

      Man kann nur hoffen und beten, daß bei Delta Airlines die Flugzeuge gewissenhafter gewartet werden als die Rechner. Und ich bin heilfroh, daß ich bei der Postbank kein Konto (womöglich noch mit OnlineBanking!) habe.

      Ich denke, möglicherweise hat Sasser etwas Positives bewirkt: vielleicht sind sich jetzt ein paar mehr User als früher der Risiken des Internets bewußt und patchen ihre Rechner regelmäßig.
      Gibt es schließlich eine bessere Form, mit dem Leben fertig zu werden, als mit Liebe und Humor?
      Charles Dickens
    • Mit Deutschem Recht ist der Junge Mann gut bedient. In den USA hat es für so etwas schon 10 Jahre Knast gegeben.
      Aber eines hat mich schon an den Prozess gestört: Das Argument der Verteidigung: "Er (Der Angeklagte) hätte nicht gewusst, welchen Schaden er mit den Virus anrichten kann." Also, für mich ist das ein absoluter Witz. Jemand der so intelligent ist, einen solchen Virus zu programmieren, weiß auch sehr genau, was das "Vieh" anrichten kann. Doch leider scheinen Anwälte mit solchen Argumenten vor deutschen Gerichten durchzukommen. Immer noch!
      Ich glaube nicht, das dieses Urteil abschreckend wirkt.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Nebu ()

    • Der Junge war zum Tatzeitpunkt (Frühjahr 2004) 17 Jahre alt. Welchen Sinn hätte es, ihn zehn Jahre ins Gefängnis zu stecken?

      Sicher ist das Urteil für andere keine Abschreckung. Aber das sollte meiner Ansicht nach auch nicht der Sinn dieses Urteils sein.
      Gibt es schließlich eine bessere Form, mit dem Leben fertig zu werden, als mit Liebe und Humor?
      Charles Dickens

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Orthogräfin ()

    • Da muss ich dich korrigieren:
      Der Satz:
      Der Angeklagte ist Deutscher, also ist ausschließlich das deutsche Strafrecht relevant.

      ist nicht richtig.
      Es ist das Strafrecht relevant in welchem Land er vor Gericht steht!
      Wenn ein Deutscher in den USA eine Straftat begeht; ist es egal, ob er Deutscher ist; er wird nach US-Recht verurteilt.

      Und noch mal. Um hier keine Missverständnisse aufkommen zu lassen. Ich halte das US-Recht (Das mit den zehn Jahren für einen Virus) für vollkommen überzogen. ABER, ich sehe auch die Schwächen im deutschen Jugendstrafrecht.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Nebu ()

    • Da gibt es ja nicht mehr viel zu diskutieren Gräfin, ein Jahr und neun Monate auf Bewährung, der Typ ist jetzt vorbestraft und es kommt noch eine Schadensersatzforderung auf ihn zu.
      Das diese zur Zeit bei lediglich 130.000 € liegt verdankt er der Tatsache, das sich zahlreiche Unternehmen nicht die Blöße geben wollen.

      So, wo waren wir stehensgeblieben? Ach ja, elektrischer Stuhl! Auf diesen hätte ich diesen Knilch persönlich setzen können als ich betroffen war, ich gehörte zu jenen Deppen, die mit den Sicherheitspatches nicht ganz up to date waren! :O :D
      Büchermäßig bin ich nicht so lesetechnisch unterwegs!

      Cora Schumacher

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von tomex090 ()

    • "Das diese zur Zeit bei lediglich 130.000 € liegt verdankt er der Tatsache, das sich zahlreiche Unternehmen nicht die Blöße geben wollen."

      Das wird nicht der Grund sein. Wenn ein Unternehmen den jungen Herren auf einen Millionenbetrag verklagt und bei ihm nichts zu holen sein sollte, bleibt der Kläger auf den Rechtsanwalts- und Gerichtskosten sitzen. Diese sind im übrigen vom Streitwert abhängig.
    • Tom, wenn einer auf dein Auto auffährt und dir nachgewiesen werden kann, daß du den Unfall hättest vermeiden können, dann kriegst du auch eine Teilschuld.

      Ich denke, hier bei Sasser ist es nichts anderes...
      Gibt es schließlich eine bessere Form, mit dem Leben fertig zu werden, als mit Liebe und Humor?
      Charles Dickens
    • Denkst du, die Tatsache, das ein Patch bereitstand hatte einen Einfluss auf die Urteilsfindung?
      Immerhin hätten viele Unternehmen und auch Privatanwender etliche Unannehmlichkeiten vermeiden können wenn sie sorgsamer ihre Systeme gepflegt hätten!
      Büchermäßig bin ich nicht so lesetechnisch unterwegs!

      Cora Schumacher