vom Umgang und der Interpretation eines Beitrages

    • Weil ich in meiner Einfalt einen Beitrag, der an sich wohl durchaus diskussionswürdig ist, am falschen Platz deponiert habe, sondere ich diesen (natürlich in Abstimmung mit der Forenleitung :D ) mal aus und stelle ihn hier erneut zur Disposition, einfach, weil er doch allgemeinen Charakters ist und weniger als Schuldzuweisung zu verstehen ist. Sämtliche Zitate und Personen hierin sind nicht frei erfunden, tun aber nichts zur Sache, sondern sind lediglich ein Beispiel dafür, was gemeint ist.



      Wort zum Sonntag.
      Diese beschäftigt sich mit der Aufnahme, Interpretation und Verarbeitung eines Posts ansich und kann hier am Beispiel anschaulich vorgeführt werden.

      Es gibt verschiedene Arten von Beiträgen und deshalb unterscheiden sie sich sowohl, was Gehalt, als auch Auslegung und Wertung angehen erheblich. Es gibt das ernsthaft diskutierende Post, welches als solches ernst genommen werden möchte, es gibt das nur so eingeworfene und wenig repräsentative Post und es gibt z.B. auch das plaudernde, welches nur den momentanen Gedanken, den man gerade bei diesem Thema hat, aufgreift und den anderen aufzeigt, einfach, weil man es mitteilen möchte - sehen, ob andere vielleicht auch so was haben oder eben seine persönlichen Erfahrungen, die man gemacht hat weitergibt. Solche Posts zeichnen sich dadurch aus, dass sie einen konkreten Bezug haben, nicht zu verallgemeinern sind und letztendlich immer aus einen etwas verstärkten Erfahrung heraus kommen. Sie zeichnen sich einfach durch Satzkonstruktionen wie >Wenn ich manchmal so Pärchen anschaue<, >frage ich mich<.
      Da steht nichts davon, dass diese Dummheit etwas mit Bildung zu tun hat, da steht auch nichts, dass etwas gefordert wird oder überhaupt als relevant angesehen wird, da steht auch nicht, wie hoch der IQ sein muß oder eine Grenze gezogen wird, bis hier und alles andere ist Schrott, da steht einfach nur, dass es Beispiele gibt, bei denen man auf eben diese Gedanken kommt. Es ist kein Diskussionsbeitrag, sondern einfach nur ein Einwurf, der spontan gemacht wird.

      Warum ich das schreibe? Weil ich immer wieder sehe, dass solche Gedanken, die jeder hat, sogar in kleineren Runden aufgegriffen werden, als allgemeingültig angesehen werden und der Postende und seine Meinung nur auf diese reduziert wird. Das sehe ich immer wieder und das ist der ganze Grund, warum es in den Foren immer hoch hergeht. Einfach, weil die "Diskutierenden" nicht in der Lage sind, den Charakter eines Posts zu lesen, ihn einzuordnen und dementsprechend auszuwerten. Es wird eingestuft und als nicht würdig befunden und damit hat es sich. Damit hat man aber auch keinen Punkt, über den man diskutieren könnte, damit zeigt man nur, dass keine andere Meinung gelten gelassen wird, dass man nicht mal abweichen darf, ohne eben nur auf diese reduziert zu werden. Es zeigt dass, was man überall sieht – man kann und darf laut keinen Gedanken äußern, der nicht ganz konform ist oder eine Momentaufnahme wiedergibt, weil die Umwelt nicht dazu bereit ist, darüber nachzudenken, wie es gemeint sein könnte.

      Und mal so unter uns, dass hier jemandem, der absolut integer und über eben diese Zweifel erhaben, ja sogar immer als mitfühlend und einfühlsam bekannt ist, Dinge wie Geburtenbeschränkung nach IQ, Zwangsterilisierung usw. unterstellt werden, spricht nicht gerade für Menschenkenntnis, dem Vermögen, oben erwähnten Postcharakter zu erfassen oder sich damit auseinanderzusetzen, was und wie es gemeint sein könnte. Das ist fehlende Diskussionskultur, denn man ist dann nicht an der Diskussion interessiert, sondern an der Auseinandersetzung überhaupt oder der Durchsetzung des eigenen Standpunktes auf Teufel komm raus. Man versucht einfach, in Schwarz und Weiß zu unterteilen und das wird nur in den seltensten Fällen klappen, denn die Welt ist bunt. Zumindest gibt es noch ein paar Grautöne dazwischen.

      In diesem Sinne und ich bin ja so was von gespannt. :owackel:
    • Gut.

      Zum Thema. Wir sind hier in einem Medium, in dem man sich schriftlich verständigt. Das bringt gegenüber verbaler Kommunikation einige Probleme mit sich, so z.B. längere Reaktionszeiten und damit auch langsamere Korrekturmöglichkeiten, mangelnde Gestik usw. Deshalb hat der Schreibende so zu schreiben, daß er richtig verstanden wird. Das kann scheitern und muß dann korrigiert werden, eine solche Korrektur sollte von den Lesenden dann auch akzeptiert werden. Aber zunächst mal hat m.E. der Schreibende eine Bringschuld und nicht der Leser die Pflicht, Persönlichkeit, bisheriges Verhalten, Sympathie und weitere Faktoren bei der Interpretation eines Beitrags einfließen zu lassen. Wir schreiben hier ja keine Gedichtanalyse, sondern Diskussionsbeiträge.
    • Schade, wonderland, inhaltlich wollte ich das auch schreiben.

      Sicherlich berücksichtigt jeder von uns den Charakter des anderen und das was jener schreibt. Dafür kennen wir uns lange genug. Dass dann auch mal etwas anders interpretiert wird als es gemeint war, ist ganz normal und kommt auch im "realen" Leben vor. Verstärkt wird es durch das Medium Internet und die bereits von wonderland genannten Sachverhalte.

      Und an alle, die in die Ketten gegangen sind, als sie cosgans Post gelesen haben: Manchmal schießen mir solche Gedanken wie cosgan sie hatte auch durch den Kopf. Und das ist imo auch normal im Sinne von menschlich.

      Ach ja, n'abend zusammen. ;)
      Im Gegensatz zum Hirn meldet sich der Magen wenn er leer ist.
    • Was ist daran schade?

      Du hast natürlich recht, zu einem bestimmten Teil berücksichtigt man immer die Vorgeschichte. Aber das kann nicht so weit führen, daß ich als Leser gezwungen bin, alles so zu interpretieren, daß es dem Schreibenden zur Ehre gereicht, egal, was geschrieben wurde.

      Aber im übrigen kann auch ich mich nicht davon freisprechen, manchmal sozial gänzlich unverträgliche Gedanken zu hegen. Diese zu reflektieren, zu kontrollieren und sich zu überlegen, was man davon in welchem Kontext äußert, ist in gewisser Weise eine Aufgabe, an der man zu arbeiten hat. Aber wem gelingt das schon immer? Wie war das mit dem ersten Stein? Man sollte bestimmte Äußerungen nicht überinterpretieren.
    • Original von wonderland
      Was ist daran schade?


      Dass ich das nicht als erster schreiben konnte. ;)

      Aber das kann nicht so weit führen, daß ich als Leser gezwungen bin, alles so zu interpretieren, daß es dem Schreibenden zur Ehre gereicht, egal, was geschrieben wurde.


      Ist schon richtig, aber andererseits ist es irgendwann auch mangels Platz für weitere Smilies nicht mehr möglich, das geschriebene mit der richtigen Emotion zu versehen. Und außerdem soll es ja vorkommen, dass man etwas schreibt ohne zu bemerken, dass das auch ganz anders aufgefasst werden kann.
      Im Gegensatz zum Hirn meldet sich der Magen wenn er leer ist.
    • dass man etwas schreibt ohne zu bemerken, dass das auch ganz anders aufgefasst werden kann.

      Gerade über petes Satz stolpere ich immer wieder.

      Natürlich ist der Postende in der Bringschuld, ganz klar, aber wie ist das nun eben, wenn man jemaden kennt oder zumindest näher kennt? Muß man nicht zwingend seine Kenntnis der Person mit einbeziehen, wenn man auf ein Post reagiert? Immerhin diskutiert man mit Menschen und Beiträge sind nunmal reflektionen von Meinungen und wenn man eigentlich weiß, daß derjenige das so gar nicht sagen wollte, muß man das nicht berücksichtigen oder kann man das, weil öffentlich, auch so nehmen, wie es sich liest? Und das denke ich, ist nichtmal nur bei Usern so, die man kennt. Das sieht man doch immer wieder, daß man ein Post, welches etwas zweifelhaft ausgedrückt ist, nicht unbedingt in eine Ecke drängen müßte, aber eben kann. Und daß das dann auch gemacht wird. Warum eigentlich? Weil es einfacher ist, weil man seinen Standpunkt dann unterstreichender darstellen kann oder weil man die Möglichkeit hat, einem seine Dominanz unter Beweis zu stellen? Das sehe ich immer wieder.
      Insbesondere, wenn es um Erstposts zum Thema geht.
    • Viel einfacher. Weil der Leser ein Post genauso unterschiedlich deuten kann, wie der Ersteller es nicht gemerkt hat, dass unterschiedliche Deutungen möglich sind. Ein und derselbe Text, zwei Auffassungen. Kommt doch jeden Tag vor, zumindest in meinem Job. Mittlerweile lege ich, beruflich, sehr viele Äußerungen auf die Goldwaage -und zwar bevor ich sie sage.
      Im Gegensatz zum Hirn meldet sich der Magen wenn er leer ist.
    • Öhm, pete wegen deinem Nachtrag vorhin, kennst Du die Vorgeschichte, die hier als Beispiel herhält?

      Und das ist es, was uns seit gestern beschäftigt hat und vielleicht der Knackpunkt: Die Reaktionen auf ein Post wie cosgans, die gekommen waren, daß kritisch zu hinterfragen und die Weiterführung dessen aufzuzeigen, was sagt das aus? Hier habe ich nur eine Interpretationsweise gefunden, die ich in dem Fall für zwangsläufig halte. Nämlich die, daß man demjenigen das wirklich unterstellt und zutraut, zumindest öffentlich, obwohl man weiß, daß dem nicht so ist, obwohl man es ganz genau weiß.
      Das läßt sich nicht verallgemeinern, denn das geht wirklich nur bei Usern, die sich sehr gut kennen, aber es gibt ja viele Nuancen und Fassetten, wie sowas auftreten kann.
    • Ich finde schon auch, dass man bei manchen postings berücksichtigen sollte, wer sie geschrieben hat, vorallem, weil man die Leute im Laufe der Zeit kennengelernt hat und auch ihren Schreibstil kennt. Ich würde sagen, dass manche Sätze von CB total anders aufgefasst würden, käme die von jemand anderen. Sätze von der Gräfin klingen anders als die von beispielsweise dyna. Man kennt doch seine Pappenheimer irgendwie. :D
    • cb, ich weiß nicht welche Vorgeschichte du meinst, habe allerdings eine Vermutung.

      Allerdings bleibe ich bei meiner Aussage. Gräfin hat ihre Antworten mit entsprechenden Smilies unterlegt (was bekanntlich hilfreich ist ;) ) und tj hat schlicht und einfach nur gefragt, was denn die Fortsetzung des Gedankens ist. Und wenn ich das tue, was du forderst, nämlich meine Kenntnis der Art und Weise wie jemand postet (hier tj), sehe ich keine Unterstellungen. Beide können, so denke ich, cosgan richtig einschätzen und tun das auch.
      Im Gegensatz zum Hirn meldet sich der Magen wenn er leer ist.
    • Gerade die gestrige Diskussion zeigt doch recht deutlich, wie schnell man das geschriebene Wort eines anderen Users anders interpretieren kann, als es gemeint war - und das trotz der Tatsache, daß wir uns doch schon recht gut kennen. Wir kennen und eben nicht nur aus Diskussionen, sondern auch von einigen Treffen, und doch kommt es immer wieder zu solchen Mißverständnissen.

      Dabei sollte man meiner Meinung nach nicht von einer (bösen) Absicht ausgehen, sondern davon, daß das geschriebene Wort eben etwas anderes ist als das gesprochene. In einem persönlichen Gespräch (auch am Telefon) ist das Ausräumen von Mißverständnissen ungleich einfacher als hier - es fehlen Mimik und Gestik, Tonfall usw, aber das wurde ja auch schon gesagt.
      Gibt es schließlich eine bessere Form, mit dem Leben fertig zu werden, als mit Liebe und Humor?
      Charles Dickens
    • Das Dumme an der Geschichte ist halt immer, dass man sich zwar kennt und man glaubt, man hätte was richtig verstanden, verletzt ist und dann emotional handelt, den Fehler macht, dem anderen was zu unterstellen, was von dem wiederum nicht so gemeint und zack ist das Missverständis da. :O

      Also irgendwie verstehe ich jetzt mein eigenes posting nicht. 8o
    • Die Gestik ist am Telefon der überragende Faktor. Besonders, wenn der Hörer dabei aus der Hand fällt. :D

      pete, tj meinte ich gar nicht mal so sehr.
      Aber wie ist das Reaktionspost denn dann zu deuten, wenn sie die Person schon richtig einschätzen? was ist seine Aussage, worauf bezieht es sich dann? Das ist meine Frage. Was soll es dann aussagen, wen man gar nicht auf eine Meinung reagiert? Insbesondere, wenn die Reaktion schon harsch ist. Da fällt mir eben nichts zu ein. Und was soll es dem sagen, auf dessen Post reagiert wurde? Was denkt der jetzt, was andere über ihn denken?
    • CB, die Frage mußt du tj schon selbst stellen. ;)

      Und ich schrieb etwas vo einem persönlichen Gespräch (auch am Telefon).
      Verdammt noch mal, jetzt habe ich aber den Eindruck, du willst mich partout mißverstehen. :zlücke:
      Gibt es schließlich eine bessere Form, mit dem Leben fertig zu werden, als mit Liebe und Humor?
      Charles Dickens