Ein Kind um jeden Preis

    • Ein Kind um jeden Preis

      Durch Zufall sah ich diese Sendung im ZDF am frühen Abend, die mir doch zu denken gab.


      Möglicherweise liegts daran, dass ich eine Frau bin, deren biologische Uhr auch nicht mehr ewig tickt :D, aber auch daran, dass ich am Wochenende wieder zwei frühere Freundinnen schwanger durch die Gegend laufen sah.

      Frank und Katja sind Anfang dreißig, glücklich verheiratet und doch verzweifelt. Seit vielen Jahren versucht das Paar, ein Baby zu bekommen - vergeblich. Seit vier Jahren irren die beiden nun schon durch das Labyrinth der modernen Medizin.

      Frank und Katja sind nicht allein mit ihren Schwierigkeiten, gut 15 Prozent aller deutschen Ehepaare haben Probleme mit der natürlichen Fortpflanzung, mehr als 50000 Paare suchen jedes Jahr Hilfe bei Reproduktionsmedizinern. Als wieder einmal eine Invitro- Befruchtung scheiterte, haben sich Frank und Katja für eine in Deutschland verbotene Methode entschieden.

      Die Reportage begleitet Katja und Frank nach Tschechien. In Pilsen wird Franks Samen in die Eizelle einer anonym bleibenden jungen Frau gegeben. Diese fremde Eizelle wird Katja implantiert. Nun beginnt wieder das quälende Warten, wird Katjas Körper das fremde Ei annehmen, wird sie endlich schwanger?

      Kerstin und Christian aus München haben einen anderen Weg zum Wunschkind gewählt. Die Lehrerin und der Jurist haben sich zu einer Auslandsadoption entschieden. Die Reportage begleitet die beiden nach Pasto, einer kleinen Provinzstadt in Kolumbien. Hier wartet auf sie südamerikanische Bürokratie: Ein zäher Kampf mit Formularen, Stempeln und Genehmigungen beginnt. In einem kalten Behördenzimmer dürfen sie endlich die einjährige Catalina in Empfang nehmen, ihre Wunschtochter. Die aber ist erst mal gar nicht begeistert von den beiden fremden Deutschen. Wie wird Catalina auf ihr neues Zuhause, auf Deutschland, reagieren, akzeptiert die Kleine Kerstin und Christian als Mutter und Vater?


      Film von Annette Hoth und Simone Müller

      zdf.de/ZDFde/einzelsendung/0,1970,2393085,00.html


      Mich hat eher das erste Paar bewegt, welches wirklich sehr viel in Kauf nimmt, um den Kinderwunsch zu verwirklichen. Katja hatte schon 5 Fehlgeburten und durch einen genetischen Defekt waren es fast immer behinderte Embryos, die abgestoßen wurden.

      Und das Paar versucht es wieder, 3 Monate bekommt sie Hormonspritzen, die ihr Mann setzt und zusätzlich muss sie noch zwei Tabletten am Tag nehmen.
      Bis zum großen Tag, an dem ihr eine fremde Eizelle implantiert wird, die zuvor im Reagenzglas befruchtet wurde Der ganze "Spass" hat mit Vorbereitung, Medikamenten usw 10 000 Euro gekostet. Man kann sich ja vorstellen, dass die beiden weit mehr in den vier Jahren ausgegeben haben.

      Zum Schluß der Sendung wird ein Schwangerschaftstest gemacht, der positiv ausfällt. ENDE.

      Gut, das ist sehr wohl ein heikles Thema, aber muss man sich nicht irgendwann mal fragen: Solls vielleicht einfach nicht so sein?
      Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist wie sie ist, es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt. (Die Ärzte)
    • Zunächst mal: ich habe den Beitrag leider nicht gesehen. Aber das ZDF zeigt am 7.12.04 um 4:40 Uhr eine Wiederholung, die ich aufnehmen werde.

      Ich weiß nicht recht - an Stelle der ersten Frau wäre mir möglicherweise das Risiko zu groß, ein behindertes Kind zu bekommen. Aber wahrscheinlich würde ich wohl unter Umständen genauso handeln.

      Und zu dem anderen "Fall": glaubt dieses Ehepaar das Recht zu haben, ein einjähriges Kind aus seiner gewohnten Umgebung zu reißen?
      Gibt es schließlich eine bessere Form, mit dem Leben fertig zu werden, als mit Liebe und Humor?
      Charles Dickens
    • Das stimmt mit Sicherheit, Herr Steuerzahler.

      In dem oben genannten Fall wollten es wohl beide so. Die Frau erwähnte aber auch, dass sie ihm so gerne ein Kind schenken möchte.

      Nur da ja eine Eizelle einer jungen, fremden Frau bei ihr eingepflanzt worden ist, wäre das Kind ja nicht mal von ihr, auch wenn sie es austrägt.

      Als wenn sich da die Realität entfernen würde.


      Das Kind hatte sich wohl in der Pflegefamilie sehr wohl gefühlt und war gut versorgt. Nach einem vierwöchigen "Testlauf" soll es mit den neuen Eltern dann nach Deutschland.

      Prinzipiell spricht ja nichts dagegen, einem adoptierten Kind ein gutes Zuhause zu bieten.

      Das mit dem "Recht" ist da so eine Sache, Gräfin.
      Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist wie sie ist, es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt. (Die Ärzte)
    • Original von Sweetie
      Das Kind hatte sich wohl in der Pflegefamilie sehr wohl gefühlt und war gut versorgt. Nach einem vierwöchigen "Testlauf" soll es mit den neuen Eltern dann nach Deutschland.

      Verstehe ich das richtig - das Kind war schon in einer Pflegefamilie und soll mit anderen "Eltern" nach Deutschland?

      Das mit dem "Recht" ist da so eine Sache, Gräfin.
      Das verstehe ich jetzt nicht ganz - wie meinst du das? Das Recht hier oder in Kolumbien?
      Gibt es schließlich eine bessere Form, mit dem Leben fertig zu werden, als mit Liebe und Humor?
      Charles Dickens
    • Ob es verwerflich ist, ob angebracht oder abzulehne, diese Beurteilung maße ich mir nicht an. Ich habe da ein Bild in mir, welches ich wirklich nur für mich gilt, von dem ich aber nicht wage, andere damit zu messen, denn ob sie da hineinpassen oder nicht, ich kann solche Paare vertehen. Das heißt nicht, daß ich alles gut heiße und akzeptiere, aber ich kann die Gründe nachvollziehen.
      Man verliebt sich, zieht zusammen und beschließt, sein Leben miteinander zu verbringen und die Krönung des ganzen ist nunmal ein Kind. (Hier könnte man die Diskussion über gleichgeschlechtliche Ehe und Kinder mit einbringen.) Es ist etwas, was beide noch mehr miteinander verbindet, es ist Zeugnis der gemeinsamen Liebe und wenn schon nicht von einem selbst, so doch, daß man sich gemeinsam darum kümmern muß, es hegen und pflegen, nach bestem Wissen und Gewissen erziehen und das eben gemeinsam. Es ist ein Teil des gemeinsamen Lebens und wenn einem dieser versagt bleibt, so kann das schon zu derartigen, teils überzogenen Aktivitäten führen.
      Wenn man das jetzt alles zusammen nimmt, kann ich nicht mal sagen, wo der Punkt wäre, diese abzulehnen. Ab wieviel Prozent Risiko würde das denn sein und wer soll und kann das entscheiden? Für die einen sind Einschränkungen, sei es die eigene Gesundheit oder die des Kindes betreffend oder andere Menschen betreffend, tragbar, für andere wiederum nicht. Selbiges gilt für Umfeld und bisheriges Leben.

      Ich wüßte es im Einzelfall nicht zu entscheiden und da geht es mir, wie bei der damaligen Diskussion über das Alter der Mütter. Wie soll ich jemandem erklären, daß er etwas nicht kann oder darf, wenn zumindest eine Möglichkeit besteht, daß es gut geht oder besser wird, als bisher.

      Sag mal, Sweetie, wie siehst Du das eigentlich und vor allem, was? So richtig kam das noch nicht raus. :zlücke:
    • Original von Orthogräfin
      ...glaubt dieses Ehepaar das Recht zu haben, ein einjähriges Kind aus seiner gewohnten Umgebung zu reißen?


      Das meinte ich, Gräfin.

      Es gibt nunmal die Möglichkeit einer Auslandsadoption. Das Kind stand zur Adoption, was für mich soviel heisst, als dass es wohl nicht für immer in dieser Familie hätte bleiben können.

      Pflegefamilien nehmen in erster Linie Kinder auf, die in Not sind und schnell ein Zuhause brauchen. Ein einjähriges Kind muss so nicht zwangsläufig im Heim landen.
      So weit ich weiß, bekommt man auch Geld dafür, für die Unterbringung, Nahrung etc.

      Die sind ja nicht illegal da eingereist um sich ein Kind zu "kaufen" oder so ;)
      Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist wie sie ist, es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt. (Die Ärzte)
    • Da fehlt mir das Wissem ausdem Fernsehbericht, Sweetie - deswegen fragte ich nach. ;)

      Eigentlich sehe ich das ähnlich wie der Steuerzahler, daß sich etliche Leute (und wohl vorwiegend Frauen) krankhaft ein Kind wünschen. Verstehen kann ich das schon, aber du hast einen Punkt angeschnitten, den ich aufgreifen möchte: wer bezahlt das eigentlich alles? Die Krankenkasse? Wenn nicht, kommt dann z.B. nur ein wohlhabendes Ehepaar in den Genuß, ein Kind adoptieren zu dürfen? Dann hätte das natürlich den miesen Beigeschmack des Einkaufs.
      Gibt es schließlich eine bessere Form, mit dem Leben fertig zu werden, als mit Liebe und Humor?
      Charles Dickens
    • CB, da ich ja noch nicht in der Situation war, unbedingt schwanger werden zu wollen, ist das natürlich schwierig, sich da reinzuversetzen.

      Aber alles hat seine Grenzen, und wenn man doch 5 Fehlgeburten hatte, die jawohl körperlich sowie psychisch sehr viel Kraft kosten, muss man sich doch halt irgendwann fragen, was das zu bedeuten hat.

      Ich denke, Körper und Geist spielen da gemeinsam eine Rolle und ich glaube daran, dass es dann einfach nicht mehr funktionieren kann. Wenn man halt so fixiert ist auf dieses Thema.

      Ich kenne auch ein Paar, die alles Mögliche über Jahre versucht hatte, zumindest in Deutschland und es wollte nicht klappen. Irgendwann hatten die beiden sich damit abgefunden.

      Sie hatten alles erreicht, beruflich und privat, nur das Kind fehlte.
      Und mit 36 Jahren machte es *peng* bei ihr und sie war schwanger :zlücke:

      Sicher würde ich auch einiges versuchen, aber nach 4 oder 5 Fehlgeburten mir in Tschechien eine Eizelle einer fremden Frau einpflanzen zu lassen, käme für mich nicht mehr in Frage.

      Klar, daran sind schon Ehen zerbrochen, aber was wird denn, wenn man sich immer wieder auf diesen Kinderwunsch fixiert? Das zerrt sicher auch am Ehegerüst.
      Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist wie sie ist, es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt. (Die Ärzte)
    • Ich nehme an, gewaltig sogar.
      Tja, wo sind eben diese Grenzen? Wie gesagt, was für die einen untragbar ist, ist für andere nicht so wild. Und das jetzt mit der Eizelle, das könnte das Problem doch beheben, wenn es z.B. immer an ihren Eizellen lag. Warum also nicht dieser Weg? warum nicht, wenn tatsächlich ein gesundes, glückliches Kind dabei herauskommt. Vielleicht aber auch nur ein etwas weniger gesundes, aber glückliches Kind?

      Warum sich mit etwas abfinden, wenn man die Hoffnung haben kann, es zu umgehen? Warum sollen sich besser betuchte ein schlechtes Gewissen einreden, weil sie es sich leisten können, diesen Weg zu gehen?

      Worum geht's eigentlich? Moral oder Gesetz?
    • Einfach nur um Meinungen und Standpunkte, CB.

      Individuell sind diese Grenzen natürlich unterschiedlich.

      Auch die finanziellen Grenzen. Nicht jedes Paar ist in der Lage, 10 000 Euro für so eine Behandlung auszugeben.

      Aber ich bezweifle halt, ob das ein Segen ist, alles auszuprobieren. Wenn man doch ansich kein normales Leben mehr führt.
      Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist wie sie ist, es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt. (Die Ärzte)
    • Meinung uns Standpunkt gibt's von mir auch gerne. :D Ich persönlich würde so eine eingepflanzte Einzelle ablehnen, weil das eh nicht das Kind meiner Frau wäre, da kann ich dann gleich eines adoptieren und vielleicht damit auch noch einem Kind aus einer Notlage helfen. Aber ich kann es nachvollziehen, daß die beiden alles versuchen, allerdings würde ich wie die Gräfin das Risiko eines behinderten Kindes als zu groß empfinden, wenn schon 5 Schwangerschaften schief gegangen sind. Damit da kein falscher Eindruck entsteht, ein behindertes Kind muß man m.E. akzeptieren, wenn es die Natur so eingerichtet hat, aber man muß auch nicht bewußt ein größeres Risiko diesbezüglich eingehen. Wobei auch das wieder schwierig ist, das Alter spielt da ja auch schon eine Rolle, also wo ist das Risiko "erhöht"? Im Endeffekt muß das wohl jeder für sich entscheiden.

      Gräfin, das mit der Adoption sehe ich ähnlich wie Sweetie (allerdings habe ich den Bericht auch nicht gesehen), vermutlich hätte das Kind nicht in der Pflegefamilie bleiben können (oder einem anderen Kind einen Platz dort "weggenommen", das dann vielleicht im Heim leben müßte) und dann finde ich es schon legitim, ein einjähriges Kind in ein anderes Land zu bringen. Ich denke, da muß man abwägen, 18 Jahre kolumbianisches Kinderheim gegen einmaligen Ortswechsel mit einem Jahr.
    • nehmt mit meine "Wortmeldung" bitte nicht übel (Neue sollten sich ja zurückhalten, gelle?)
      Aber: ich habe selber zwei Kinder (und ich liebe sie), aber mit dem Thema Freigabe zur Adoption tue ich mich schwer..... ich glaube, lieber würde ich ein Kind abtreiben lassen, lals es wissentlich zur Adoption zu fremden Menschen freizugeben.... (meine Meinung)
      man sieht sich im Leben immer zweimal ;)
    • Vayacondios, zunächst mal: warum solltest du dich bei Sachtehemen zurückhalten, nur weil du neu bist? Teilnahme der User an Sachdiskussionen ist ausdrücklich erwünscht!

      Zum Thema: ich denke, die Entscheidung, ob sie ein Kind will oder nicht will, macht sich keine Frau leicht - und sie muß ihr meiner Ansicht auch selbst überlassen werden. Hilfestellung kann man geben, aber die Entscheidung trifft sie letztendlich allein. Und ihre Umgebung hat diese Entscheidung unter allen Umständen zu akzeptieren - mit einer Ausnahme: Kindstötung.

      Was macht aber nun eine Schwangere nach der 12. Schwangerschaftswoche? Eine Abtreibung ist dann strafbar. Und dann bleibt als legale Möglichkeit nur noch die Freigabe zur Adoption. Oder die Babyklappe.


      Eine Frau ist zu allem fähig, wenn sie ein Kind will - oder wenn sie ein Kind nicht will.
      Gibt es schließlich eine bessere Form, mit dem Leben fertig zu werden, als mit Liebe und Humor?
      Charles Dickens
    • "ich denke, die Entscheidung, ob sie ein Kind will oder nicht will, macht sich keine Frau leicht - und sie muß ihr meiner Ansicht auch selbst überlassen werden. "

      Da muß ich Ihnen widersprechen, liebe Frau Gräfin !

      Der Schwangerschaftsabbruch ist in manchen Kreisen schon längst als "Verhütungsmethode" akzeptiert.

      Wenn eine Frau kein Kind möchte, dann sollte sie Vorkehrungen treffen, damit eine Schwangerschaft nicht eintreten kann. Tut sie das nicht, hat sie nach meiner Ansicht das Recht zu entscheiden, ob ein Leben entsteht oder nicht, verwirkt.
    • Lieber Steuerzahler, da gebe ich Ihnen insofern recht, als daß ein Abort in meinen Augen kein Ersatz für eine Empfängnisverhütung sein darf. Allerdings liegt meiner Ansicht nach die Verhütung aber nicht in der alleinigen Verantwortung der Frau. Weder moralisch noch finanziell.

      Außer Frage steht in meinen Augen die kriminologische Indikation - keiner Frau darf zugemutet werden, ein bei einer Vergewaltigung gezeugtes Kind austragen und gebären zu müssen.
      Gibt es schließlich eine bessere Form, mit dem Leben fertig zu werden, als mit Liebe und Humor?
      Charles Dickens
    • Da gebe ich Ihnen völlig recht, liebe Frau Gräfin !

      Es ist aber die Frau, die schwanger wird. Wenn der Mann nicht zur Verhütung bereit ist, gibt es nur zwei Möglichkeiten:

      in Keuscheit zu leben

      oder

      es zu riskieren.

      Im letzteren Fall bin ich nicht bereit, die menschliche Fleischeslust als Legitimation für eine Abtreibung zu akzeptieren.
    • Ich gehöre nicht zu der "Mein-Bauch-gehört-mir"-Fraktion, und ich glaube nicht, daß ich eine Schwangerschaft ohne medizinische oder eben eine kriminologische Indikation abbrechen würde, aber dennoch finde ich, daß der Schwangeren und nicht dem Staat die Entscheidung zusteht.

      Ich denke manchmal, wenn ich wieder von einer drogensüchtigen, (zum Zeitpunkt der Empfängnis) minderjährigen Mutter lese, die ihr Kind verhungern ließ, daß es vielleicht besser gewesen wäre, wenn das Kind dieses Elend nicht hätte erleben müssen.
      Gibt es schließlich eine bessere Form, mit dem Leben fertig zu werden, als mit Liebe und Humor?
      Charles Dickens