Was man gelesen haben sollte.

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    • Dann geht die Sache von vorne los...
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      Und was ist jetzt bitte das hier?!
      Der Asylstreit zwischen CDU und CSU hatte seinen Höhepunkt erreicht: Bis in die frühen Morgenstunden des 27. Juni hatte der Koalitionsausschuss in Berlin getagt, ohne Ergebnis. [...] Doch offensichtlich fand der CSU-Innenminister noch Zeit, nebenbei eine zweite Front gegen CDU-Kanzlerin Angela Merkel zu eröffnen: Er schrieb einen geharnischten Brief an die EU-Kommission, in dem es nicht etwa um Flüchtlings- und Migrationspolitik, sondern um den EU-Austritt Großbritanniens ging. [...] Der Brief war nach Angaben aus Berliner Regierungskreisen nicht mit dem Kanzleramt abgesprochen.
      Wer durch des Argwohns Brille schaut, sieht Raupen selbst im Sauerkraut.
      Wilhelm Busch
    • Die Einleitung zum Newsletter Juli 2018 der Amadeu Antonio Stiftung
      erscheint mir wert weiter verbreitet zu werden:


      Newsletter Juli 2018 der Amadeu Antonio Stiftung schrieb:

      Liebe Leserinnen und Leser,

      die Diskussionen der letzten Wochen über das Thema Asyl haben uns einige Tatsachen vor Augen geführt.

      Als erstes diese: Es waren keine Diskussionen, sondern unwürdige Spektakel, bei denen das Leid von Menschen als politische Schwungmasse missbraucht wurde. Wie kann es sein, dass ein Land, in dessen Geschichte vor gerade 80 Jahren mit den Pogromnächten gegen die Juden das Menschheitsverbrechen schlechthin begann, heute einen derartigen Missbrauch zulässt? Polemik, Kälte, Zynismus und unverhohlener Rassismus fegten in der sogenannten Asyldebatte Zivilität und Anstand beiseite. Reißerisch, faktenfrei und auf angstschürende Hysterie setzend, haben Politiker und mit ihnen auch einige Medien auf der Klaviatur des Unmenschen gespielt. Und zwar nicht, obwohl - sondern weil - sie wussten, dass die Decke dünn ist über der deutschen Anfälligkeit für den Hass auf das vermeintlich Fremde. Und dass am Ende die AfD davon profitiert und erntet, was sie gesät hat, ohne in der Phase dieser "Diskussion" selbst besonders aktiv zu sein, ist eine fast logisch anmutende Folge dieses kalkulierten Missbrauchs.

      Die zweite Tatsache ist, dass wir in Europa keine Vorstellung haben, wie mit Flucht und Migration umzugehen ist. Dass die Bundesrepublik kein Einwanderungsgesetz hat - noch immer nicht, obwohl so dringend gebraucht - zeigt, wie rückständig Deutschland und Europa sind. Die Entwicklung der Globalisierung nicht zu gestalten, sondern nur auf ihre Folgen zu starrenund so Chancen zu verpassen, wird diesen Teil der Welt nicht voran bringen. Europas Abschottung ist ein Zugeständnis an die Populisten, aber keine Politik. Völkische Populisten mögen von dieser kleingeistigen Abwehr weltweiter Entwicklungen profitieren, aber auch das kann nur vorübergehend sein. Deswegen sollten auch wir, die zivile Gesellschaft, mehr Klarheit und Wissen über die Fragen von Flucht, Migration und globaler Entwicklung gewinnen und uns nicht auf das Klagen über die Zustände beschränken.

      Die dritte Tatsache ist, dass die demokratischen Standards ins Wanken geraten. Noch sind es nicht die Strukturen und auch nicht das Gerüst aus solider Verwaltung, Rechtsstaatlichkeit und Pressefreiheit. Noch betrifft es nicht die Verfassungsrechte oder die freien Wahlen. Aber etwas Anderes macht sich breit, das all diese Errungenschaften zum Erodieren bringen kann: der Pessimismus, die Gleichgültigkeit und eine Art destruktiver Selbsthass auf die Demokratie als solche. Ihr Versagen im Einzelnen wird als Versagen als Ganzes gedeutet. Mit dem Hinweis auf die riesigen Probleme und Herausforderungen unserer Zeit wird die Demokratie als handlungsunfähig beschrieben, ja verachtet. Und mit ihr alle, die in ihrem Sinne arbeiten. Aus verständlicher und notwendiger Kritik an Zuständen entsteht eine zerstörerische, pessimistische und am Ende den Rechten dienende Aufgabe aller Werte, um die so lange gekämpft wurde.

      Wie sollen wir darauf reagieren? Einfach weiter machen mit dem Engagement? Ist das nicht zu wenig? Nein, das ist es nicht. Und es ist auch nicht zu wenig, Vernunft und Überblick zu behalten. Und vielleicht ab und zu die Kraft zu finden, sich nicht hetzen zu lassen - weder in Sinn von Geschwindigkeit bzw. des Sich-getrieben-fühlens, noch im Sinn der Eskalation. Wut und Hass machen auch wütend. Und Gründe dafür gibt es mehr als wir manchmal ertragen können. Das ist menschlich. Doch was wir brauchen in der zivilen Gesellschaft, ist auch festzuhalten an den eigenen Werten - zu denen auch Geduld gehört, Kontinuität, wenn es um Menschenrechte und Gleichwertigkeitgeht. Wir werden über vieles weiter nachdenken müssen, da die Welt sich verändert. Aber derweil sollten wir bei aller Hysterie in den Debatten und dem Hass in der Luft eines auf keinen Fall aufgeben: Die Sturheit mit der wir darauf bestehen, dass Menschen alle und überall gleich viel wert sind.

      Herzliche Grüße,
      Ihre AnettaKahane
      Seid barmherzig. Das Leben ist schon schwer genug!
      Kutte Tucholsky
    • Wurden auch die Kommentare von Thomalla und Hoeneß verlesen? Nein. Warum gibt man dann ausgerechnet Weidel ein Podium?

      Im übrigen wurde die Aussage Özdemirs stark verkürzt - seine Kritik an Özil wurde publiziert, die am DFB nicht. Das halte ich für kritikwürdig.

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      Patrick Bahners schrieb:

      Spielverderber, Heulsuse, Memme: Özil einen Jammerlappen zu nennen, ist die Logik der Schulhofkämpfe, mit denen eine deutsche Tageszeitung sonst vor dem Ende der multikulturellen Gesellschaft warnt. Aber „Bild“ ist nicht Deutschland.
      Dieser Artikel in der konservativen FAZ ist bemerkenswert.

      Noch deutlicher wird Andreas Borcholte beim Spiegel:

      Andreas Borcholte schrieb:

      Ein deutscher Fußballnationalspieler beklagt Rassismus und wirft hin. Und was macht das größte Boulevardblatt des Landes? Wirft ihm einen "Jammer-Rücktritt" und Selbstgerechtigkeit vor. Ignoranter geht es kaum.
      Wer durch des Argwohns Brille schaut, sieht Raupen selbst im Sauerkraut.
      Wilhelm Busch
    • Orthogräfin schrieb:

      Wurden auch die Kommentare von Thomalla und Hoeneß verlesen?
      Hoeneß seine Auswürfe wurden nicht vermeldet. Was ich begrüße,
      weil der Müll, den er von sich gegeben hat, ist es nicht wert vermeldet zu werden.

      Bei Thomalla musste ich erst gugeln wer das ist. Eine Boulevardschicksse, die
      angeblich mal Kampfsport betrieben hat und dabei offensichtlich nicht unbeschadet
      geblieben ist.


      MANN! Hab ich wieder schlechte Laune!
      Seid barmherzig. Das Leben ist schon schwer genug!
      Kutte Tucholsky
    • :top:

      :evil:
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      Vielleicht muntert dich ja dieser Artikel aus dem Tagesspiegel auf - ich finde ihn gelungen und zutreffend:

      Lorenz Maroldt schrieb:

      Am Umgang Özils mit Erdogan ist vieles zu kritisieren [...] Doch nichts davon rechtfertigt den "anderen" Umgang mit Özil: Sein Verhalten und seine Fehler werden von Ressentiments begleitet und mit rassistischen Stereotypen belegt. Das Problematische, aus Sicht des Betroffenen Unheimliche, sind dabei nicht nur die lautstarken Angreifer, sondern vor allem die schweigsamen Verteidiger. Es ist wie beim Mobbing: Die Täter zu ertragen, ist schon schwer genug; wenn dann das soziale Umfeld auf Tauchstation geht, oder, noch schlimmer, eine "Selber schuld"-Debatte beginnt, zieht es den Opfern den Boden weg.
      Wer durch des Argwohns Brille schaut, sieht Raupen selbst im Sauerkraut.
      Wilhelm Busch
    • Dann solltest du das hier vielleicht nicht unbedingt lesen. Das Interview ist ziemlich deprimierend, aber sicher gerade deshalb notwendig und wichtig:

      Tagesspiegel schrieb:

      Die Rechte wollte die Grenzen des Sagbaren schleifen und sie hat es geschafft. Und das Wichtigste, das ihnen gelingt: Sie schleifen unsere Empörung ab. Empörung kann ein großer Mobilisierungseffekt in Gesellschaften sein. Aber wenn so viel passiert, über das man sich empören kann, dann ist das irgendwann eine stumpfe Waffe.
      Wer durch des Argwohns Brille schaut, sieht Raupen selbst im Sauerkraut.
      Wilhelm Busch
    • Ah! Hab ich gelesen. War am Sonntag auf Seite drei im Tagesspiegel.

      Und zu diesem Interview gab es natürlich auch Kommentare auf Twitter.
      Da schrob zum Beispiel ein seinem Profil nach sonst eher vernünftiger Mensch:
      "Wollte auswandern nach Kanada. Ist dort aber nicht genommen worden und
      muss sich hier jetzt profilieren."
      Ein eigentlich hervorragendes Interview, das eine Menge Anstöße zum Nachdenken
      liefert.
      Aber das Nachdenken ist leider einem Beharren auf fest betonierten Ansichten
      gewichen. Auf allen Seiten weitestgehend. Und da sind wir dann wieder an der
      Stelle, dass ich Dir zustimmen muss. Das Interview ist ziemlich deprimierend.
      Seid barmherzig. Das Leben ist schon schwer genug!
      Kutte Tucholsky
    • Das sollte man unbedingt gelesen haben:

      Sascha Lobo schrieb:

      Eine der bittersten Meldungen der letzten Zeit: Siemens-Chef Joe Kaeser hatte im Mai sehr lobenswert offen Stellung auf Twitter bezogen, gegen den nationalistischen Rassismus der AfD. Seitdem wird er heftig beschimpft, seine Familie bedroht, und wie sieht die öffentliche Solidarität der anderen 29 DAX-Vorstände aus? Sie existiert nicht. Der Chef eines Sportschuhherstellers habe abgesagt, der Chef eines Autokonzerns habe sogar befürchtet, dass er dann 19 Prozent weniger Autos verkaufe. Deutsche Geschäftsmoral in einer braunen Nussschale, und die Essenz der deutschen Haltungsangst. Was sollen die Nachbarn sagen? Die Kunden? Oder gar die Leute?
      Wer durch des Argwohns Brille schaut, sieht Raupen selbst im Sauerkraut.
      Wilhelm Busch
    • Ja, weil Wörterbücher tatsächlich eine der Dinge sind - die durch die Digitalisierung völlig hinfällig werden weil eine App oder entsprechende Webseite das einfacher, effektiver, schneller und aktueller können.

      Jeder Schüler nutzt außerhalb der Klasse ganz selbstverständlich entsprechende Angebote - warum in der Klasse dann zu einer "Steinzeitmethode" greifen, die sonst niemand mehr verwendet.
      “Wer grundlegende Freiheiten aufgibt, um vorübergehend ein wenig Sicherheit zu gewinnen, verdient weder Freiheit noch Sicherheit.”
      Benjamin Franklin