Ist es schon wieder so weit?

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    • Nein.

      Gauland ist Fraktionsvorsitzender einer im Bundestag vertretenen von den deutschen Wählern gewählten Partei und Oppositionsführer.
      Den nicht mehr in die primär öffentlich-rechtlichen Talkshows einladen zu wollen, bei denen alle Vertreter der anderern Parteien ein Schaulaufen veranstalten verrät viel über Augsteins Demokratieverständnis.

      Gauland und seine Aussagen gehen nicht weg, wenn man nicht mehr drüber berichtet. Vielmehr freut sich die AfD über die Opferrolle, die man dann wieder für sich reklamieren kann.
      Und wofür, damit wir uns weniger Aufregen müssen?

      Und um es mal ganz deutlich zu sagen. Was für eine selten dämliche Idee ist es, wenn die Gesellschaft, Fernsehen und Zeitungen einfach anfangen die besonders extremen Ansichten und Äußerungen von AfD Funktionären nicht mehr zu berichten oder zu thematisieren? Gehen die damit weg? Nein. Hilft so eine Schere im Kopf der AfD? Aber sowas von. Sowohl bei den eigenen Anhängern, die sich über Lügen- oder Lückenpresse aufregen dürfen und bei Wählern, die gar nicht mehr mitbekommen, für welche Ungeheuerlichkeiten diese Partei steht.
      “Wer grundlegende Freiheiten aufgibt, um vorübergehend ein wenig Sicherheit zu gewinnen, verdient weder Freiheit noch Sicherheit.”
      Benjamin Franklin
    • Rincewind schrieb:

      Was für eine selten dämliche Idee ist es, wenn die Gesellschaft, Fernsehen und Zeitungen einfach anfangen die besonders extremen Ansichten und Äußerungen von AfD Funktionären nicht mehr zu berichten oder zu thematisieren?
      Das sagt oder verlangt niemand - ganz im Gegenteil. Natürlich muss ÜBER die extremen (gibts denn noch gemäßigte?) Ansichten und Äußerungen von AfD-Funktiionären berichtet und diskutiert werden.

      Aber man darf nicht MIT diesen AfD-Funktionären diskutieren! Das bedeutete in meinen Augen, dass solche Ansichten in irgendeiner Form diskutabel oder tolerabel sind - und genau das sind sie eben gerade nicht. Die Afd ist eine verfassungsfeindliche Partei und so muss sie auch behandelt werden.

      Rincewind schrieb:

      Gauland ist Fraktionsvorsitzender einer im Bundestag vertretenen von den deutschen Wählern gewählten Partei und Oppositionsführer.
      Den nicht mehr in die primär öffentlich-rechtlichen Talkshows einladen zu wollen, bei denen alle Vertreter der anderern Parteien ein Schaulaufen veranstalten verrät viel über Augsteins Demokratieverständnis.

      Dazu mal zwei etwas ältere Zitate:

      Wenn unsere Gegner sagen: Ja, wir haben Euch doch früher die […] Freiheit der Meinung zugebilligt – –, ja, Ihr uns, das ist doch kein Beweis, daß wir das Euch auch tuen sollen! […] Daß Ihr das uns gegeben habt, – das ist ja ein Beweis dafür, wie dumm Ihr seid!
      Wir gehen in den Reichstag hinein, um uns im Waffenarsenal der Demokratie mit deren eigenen Waffen zu versorgen. Wir werden Reichstagsabgeordnete, um die Weimarer Gesinnung mit ihrer eigenen Unterstützung lahmzulegen. Wenn die Demokratie so dumm ist, uns für diesen Bärendienst Freifahrkarten und Diäten zu geben, so ist das ihre eigene Sache. Wir zerbrechen uns darüber nicht den Kopf.
      Wer hat das wohl wann gesagt?
      Wer durch des Argwohns Brille schaut, sieht Raupen selbst im Sauerkraut.
      Wilhelm Busch
    • Orthogräfin schrieb:

      Rincewind schrieb:

      Was für eine selten dämliche Idee ist es, wenn die Gesellschaft, Fernsehen und Zeitungen einfach anfangen die besonders extremen Ansichten und Äußerungen von AfD Funktionären nicht mehr zu berichten oder zu thematisieren?
      Das sagt oder verlangt niemand - ganz im Gegenteil. Natürlich muss ÜBER die extremen (gibts denn noch gemäßigte?) Ansichten und Äußerungen von AfD-Funktiionären berichtet und diskutiert werden.

      Du zitierst Augstein ganz klar:

      Augstein schrieb:

      Nein, man muss seine Ansichten zu Migration und Identität nicht wiederholen und melden.
      Melden ist berichten. Augstein schlägt vor wörtlich vor über solche Äußerungen nicht mehr zu berichten. Warum? Weil er Gauland keine Plattform bieten will? Oder weil er sich nicht mehr drüber aufregen will? Beides? Solch eine Reaktion wäre ein unglaublicher Sieg für die AfD. Und wie willst du drüber diskutieren und berichten ohne es beim Namen zu nennen?
      Es gibt einen gewaltigen Unterschied dazwischen über jedes von der AfD hingehaltene Stöckchen zu springen oder berechtigt laut aufzuschreien, wenn ein AfD Vertreter mal wieder dabei ist den gesellschaftlichen demokratischen Konsens zu verlassen. Gerade dann ist Gegenrede wichtig.

      Und wenn wir jetzt Nazivergleiche ziehen, Goebbels hätte sich vermutlich über Medienvertreter wie Augstein gefreut, weil die genau das Spiel in ihrer vorgesehenen Rolle mitspielen...
      “Wer grundlegende Freiheiten aufgibt, um vorübergehend ein wenig Sicherheit zu gewinnen, verdient weder Freiheit noch Sicherheit.”
      Benjamin Franklin
    • Rincewind schrieb:

      Du zitierst Augstein ganz klar:

      Augstein schrieb:

      Nein, man muss seine Ansichten zu Migration und Identität nicht wiederholen und melden.



      Was DIESEN EINEN Satz angeht, muss ich dir Recht geben.

      Mit dem Rest hat Augstein aber trotzdem Recht:

      Nein, man muss diesen Mann nicht in eine Talkshow einladen.
      Nein, man muss ihn nicht für die Zeitung interviewen.

      Muss man alles nicht machen.
      Allerspätestens jetzt darf man auch nicht mehr.


      Und was die Talkshows betrifft, geht das insbesondere an Illner und Maischberger, Plasberg und Will.

      Die Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten sind demokratischen Grundwerten verpflichtet, sie haben einen Bildungsauftrag. Es ist hohe Zeit, dass die politischen Talkshows von ARD und ZDF nicht mehr nahezu ausschließlich DAS AfD-Thema bedienen und aufhören, Nazis eine Plattform zu bieten.

      MIT Nazis kann man nicht diskutieren, und MIT Nazis darf man nicht diskutieren. Das ist die Aussage Augsteins, der ich zustimme.
      Wer durch des Argwohns Brille schaut, sieht Raupen selbst im Sauerkraut.
      Wilhelm Busch

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Orthogräfin ()

    • Und im Gegensatz dazu die Ankündigung der heutigen Sendung:




      Rassistisches Framing zur besten Sendezeit.

      Aber Plasberg ist ja auch der Meinung, dass es nicht die Aufgabe von Journalisten sei, die AfD kleinzuhalten (Quelle).

      Es ist aber erst recht nicht die Aufgabe von Journalisten (und schon gar nicht bei ARD und ZDF), eine Nazipartei großzumachen!
      Wer durch des Argwohns Brille schaut, sieht Raupen selbst im Sauerkraut.
      Wilhelm Busch
    • Orthogräfin schrieb:

      Und was die Talkshows betrifft, geht das insbesondere an Illner und Maischberger, Plasberg und Will.

      Die Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten sind demokratischen Grundwerten verpflichtet, sie haben einen Bildungsauftrag. Es ist hohe Zeit, dass die politischen Talkshows von ARD und ZDF nicht mehr nahezu ausschließlich DAS AfD-Thema bedienen und aufhören, Nazis eine Plattform zu bieten.

      MIT Nazis kann man nicht diskutieren, und MIT Nazis darf man nicht diskutieren. Das ist die Aussage Augsteins, der ich zustimme.
      Funktioniert in der Form nicht. 15% der wählenden Bevölkerung haben diese Partei in den Bundestag befördert. Damit muss man auch mit ihnen diskutieren und die AfD und ihre Politiker haben das Recht entsprechend auch in öffentlich-rechtlichen Sendungen vertreten zu sein. Wenn dort ein Vertreter von Grünen, Linken oder FDP sitzen kann, muss das auch für einen AfDler gelten. Ist nunmal so.

      Was aber nicht sein muss - und immer wieder der Fall ist, dass man die Themen nicht so wählt, dass in der AfD Parteizentrale sofort die Sektkorken knallen - wie es Plasberg hier wieder macht. Bei dem Themenanriss ist die Diskussion nämlich längst gelaufen.
      “Wer grundlegende Freiheiten aufgibt, um vorübergehend ein wenig Sicherheit zu gewinnen, verdient weder Freiheit noch Sicherheit.”
      Benjamin Franklin
    • Plasberg lädt Gauland nicht mehr zu "hart aber fair"

      Das ist ein Anfang. Der Tagesspiegel schreibt weiter:
      Beim reichweitenstärksten deutschen TV-Polittalk "Anne Will" stellt man sich die Frage, ob man Alexander Gauland nach seiner Äußerung noch in die Sendung einladen soll, in der Form nicht. "Die Redaktion von ,Anne Will' stellt die Runde für die Sendung grundsätzlich nach redaktionellen Gesichtspunkten zusammen - wir wählen unsere Gäste danach aus, ob sie aus unserer Sicht für das jeweilige Thema von Bedeutung sind und zur Diskussion einen konstruktiven Beitrag leisten können."
      Dann wird man wohl kaum noch einen AfD-Politiker dort sehen...
      Wer durch des Argwohns Brille schaut, sieht Raupen selbst im Sauerkraut.
      Wilhelm Busch
    • Rincewind schrieb:

      Was aber nicht sein muss - und immer wieder der Fall ist, dass man die Themen nicht so wählt, dass in der AfD Parteizentrale sofort die Sektkorken knallen - wie es Plasberg hier wieder macht. Bei dem Themenanriss ist die Diskussion nämlich längst gelaufen.
      So ist es. Die Themenwahl ist das eine, das andere aber diese Art der Ankündigung einer Sendung:



      Das ist einfach nur widerwärtig.
      Wer durch des Argwohns Brille schaut, sieht Raupen selbst im Sauerkraut.
      Wilhelm Busch
    • Nachdem es auf Twitter heftige Kritik gab, wurde die oben zitierte Ankündigung der Sendung inklusive mehrerer hundert Antworten kommentarlos gelöscht und durch diese ersetzt:



      Wie wäre es mal mit einer Debatte zum Thema "Wo endet die Toleranz gegenüber den Nazis der AfD und ihrer Hetze"?!
      Wer durch des Argwohns Brille schaut, sieht Raupen selbst im Sauerkraut.
      Wilhelm Busch
    • Sehr guter Kommentar von Arno Frank im Spiegel:

      Arno Frank schrieb:

      Dann erleben wir gerade den Absturz eines Systems. Und das Ende der Talkshow als Ort, an dem Gesellschaftliches erörtert werden kann. Gern mit harten Bandagen, aber zum allgemeinen Nutzen der liberalen Demokratie - nicht zum alleinigen Nutzen ihrer erklärten Gegner. Die führen inzwischen auch dann das Wort, wenn sie gar nicht anwesend sind. [...]

      Wie hieß doch gleich der Roman von Houellebecq?

      Meedia schrieb:

      Über anderthalb Jahre hat Bülow 204 Sendungen der fünf relevantesten politischen Talkshows von ARD und ZDF analysiert: darunter “Maischberger”, “Anne Will”, “Hart aber fair”, “Günther Jauch” (seit Ende 2015 eingestellt) und “Maybrit Illner”.

      Jede vierte Sendung behandelte der Untersuchung zufolge speziell das Thema Flüchtlinge. Der Themenkomplex Flüchtlinge, Islam, Terror/IS und Populismus/Extremismus stand sogar fast jede zweite Sendung auf der Agenda. “Wichtigen Themen wie NSU, Rassismus und rechte Gewalt wurden zum Beispiel jeweils nur eine Sendung gewidmet”, schreibt der SPD-Mann. Und das, obwohl es im vergangenen Jahr laut BKA fast 3.400 Anschläge auf Geflüchtete und Asylbewerberheime gegeben hatte. In nur sechs von 204 Sendungen wurde zudem über Armut und Ungleichheit diskutiert. Der Klimawandel spielte in den Talkshows der Öffentlich-Rechtlichen überhaupt keine Rolle.

      Der Deutsche Kulturrat hat ARD und ZDF eine einjährige Sendepause für Talkshows empfohlen:

      Deutscher Kulturrat schrieb:

      Nach der gestrigen Talksendung "Maischberger" im Ersten fordert der Geschäftsführeer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, ein Nachdenken darüber, ob sich Das Erste und das ZDF nicht ein Jahr Talkpause leisten sollten, um in Ruhe über die Konzepte nachzudenken.

      Olaf Zimmermann sagte: "Mehr als 100 Talkshows im Ersten und im ZDF haben uns seit 2015 über die Themen Flüchtlinge und Islam informiert und dabei geholfen, die AfD bundestagsfähig zu machen.
      Das wäre mal eine gute Idee.

      Allerdings hingen dann wohl die Produktionsfirmen der Moderatoren etwas in der Luft...
      Wer durch des Argwohns Brille schaut, sieht Raupen selbst im Sauerkraut.
      Wilhelm Busch
    • Tagesspiegel schrieb:

      AfD-Chef Alexander Gauland hat seine relativierende Äußerung über die Nazi-Zeit als „missdeutbar und damit politisch unklug“ bezeichnet. „Ich habe nichts bagatellisieren, sondern die moralische Verkommenheit ausdrücken wollen“, sagte Gauland am Samstag beim Parteitag der bayerischen AfD in Nürnberg. Wegen des NS-Regimes habe es 50 Millionen Tote und darunter sechs Millionen Juden gegeben. „Dieses furchtbare Missverhältnis kann mit dem von mir verwendeten Begriff nicht ausgedrückt werden“, sagte Gauland.
      Kann mir mal bitte jemand erklären, was Gauland mit "Missverhältnis" meint? :O
      Wer durch des Argwohns Brille schaut, sieht Raupen selbst im Sauerkraut.
      Wilhelm Busch
    • Zu Gauland: ich hoffe wirklich, dass ich mich irre, aber was ich da lese, ist so ungeheuerlich, dass mir die Worte fehlen.
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      Man muss weder die Grünen wählen noch Claudia Roth wählen oder sonst mit ihr übereinstimmen, aber hier hat sie einfach Recht. Lesenswerter Artikel.

      Claudia Roth schrieb:

      Wenn es in unserem Land mittlerweile ausreicht, eine Bundestagsdebatte gemäß Geschäftsordnung zu leiten, um etliche Morddrohungen zu erhalten, dann ist eine rote Linie nicht nur erreicht, sondern meilenweit überschritten.
      Mord- und Vergewaltigungsdrohungen?! Sind das die Werte, die diese Idioten hier "verteidigen" wollen?!
      Wer durch des Argwohns Brille schaut, sieht Raupen selbst im Sauerkraut.
      Wilhelm Busch