Irland

    • Liebe Gemeinde,

      ich will an dieser Stelle über meinen Besuch eines Inselvolks, nämlich der Iren, berichten.
      An einem grauen Regentag erhob ich mich vom Flughafen der Mainmetropole in die Lüfte, um dann nach ca. zwei Stunden Flugzeit irischen Boden zu betreten. Von der irischen Hauptstadt ging es anschließend wieder per Flugzeug in den Westen der Insel.
      Für die Mühen der Reise wurde man durch eine einzigartige Landschaft entschädigt, die zu beschreiben einem im Umgang mit der Feder ungeübten Menschen schwer fällt.
      Durch den Golfstrom ist das Klima im Südwesten Irlands ganzjährig milde. Durch dieses Klima wächst eine Vielzahl von Pflanzen, die unseren Breiten im Winter den Kältetod erleiden würden. Als solcher Vertreter möchte ich eine stammbildende Yucca anführen, die zur Familie der Agavengewächse gehört (also keine Palme ist) und dort frei ausgepflanzt eine beachtliche Höhe erreicht.
      Bilder
      • Yucca.jpg

        59,42 kB, 600×450, 751 mal angesehen
    • Das Wetter in Irland ist äußerst abwechslungsreich. Grundsätzlich muß die Regenjacke mit ins Gepäck. Tage, die ausschließlich sonnig sind, sind die absolute Ausnahme. Sonnencreme sollte man trotzdem nicht vergessen. Der ständige Wind, der zuweilen stürmisch auffrischt, läßt einem die Sonnenstrahlung nicht spüren.

      Irlands Straßen sind zum Teil bessere geteerte Feldwege. Glücklicherweise befindet sich das Straßennetz im Ausbau. Aus diesem Grund ist auch mit deutlichen Straßenbauaktivitäten zu rechnen. Nicht besonders gut scheint es mit dem Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs zu stehen. Der Reisende ist somit entweder auf die eigenen Füße, das Fahrrad oder einen PKW angewiesen.

      Irland ist leider ein ausgesprochen teures Reiseland. Das ist sehr bedauerlich, da dieser Umstand touristische Aktivitäten junger Menschen stark einschränkt. Selbst in einer Imbißbude sind 10 € nichts, ein vollständiges irisches Frühstück ist unter € 8 nicht zu haben. Auch in Supermärkten, die zum Teil auch am Sonntag geöffnet haben, muß für eigentlich alles deutlich tiefer als in Deutschland oder Österreich in die Tasche gegriffen werden.

      Nikotinabhängige sollten ihr Suchtmittel aus Deutschland mitbringen (kein Duty-free bei Flügen innerhalb der EU). Ansonsten sind mindestens 6 € für 20 Zigaretten zu zahlen. Das Rauchen ist an Arbeitsplätzen (dazu zählen auch Pubs oder Decks von Fährschiffen) verboten. Verstöße hiergegen können mit bis zu 3000 € geahndet werden. Das Verbot wird rigoros durchgesetzt. Auf dem Dubliner Flughafen gibt es beispielsweise keine (wirklich keine) Möglichkeit, der Rauchsucht zu frönen.
      Auch eine "Sauftour" ist kostspielig. Eine Dose Guiness (0,5l ) ist im Supermarkt für knapp 2 € zu haben. Im Lidl will man noch 1, 29 € für ein Gerstengetränk. Ein Dosenpfand ist dem Iren ebenso wie die Mülltrenung unbekannt.
      Benzin ist etwas billiger als in Deutschland. Kondome, die erst seit 1991 (oder 1993) legal erworben werden dürfen, sollten auch vom Festland mitgebracht werden.

      Der Ire selbst ist ein freundlicher Mann. Wer allerdings glaubt, dass man sich besonders viel Mühe mit Touristen gibt, die mangels Kenntnis der Landessprachen (Englisch (überall) und Gälisch (vereinzelte Sprachinseln)) Verständigungsprobleme haben, wird enttäuscht werden.
      Die Iren sind ein sehr religiöses Volk. Das gilt auch für die Jugend. In Irland sind überall junge Frauen mit Kinderwagen zu sehen. Die Kinderfreundlichkeit der Iren ist sehr ausgeprägt.
      Der Ire hält sich gerne in Pubs auf. Ein Pint (knapp 0, 6 l) ist dort für ca 3, 40 € zu haben. Getränke werden sofort bezahlt. Die sich vor der Tür aufhaltende Menschentraube nennt man Raucher (Verbot des Rauchens an Arbeitsplätzen). Der Besuch eines Pubs, der von Einheimischen besucht wird, sollte unbedingt erfolgen. Diese Gaststätten sind brechend voll. Sie sollten sich darauf einstellen, den Abend stehend zu verbringen.

      Eine Fortsetzung folgt.
    • Ich kann den Bericht im Wesentlichen bestätigen. Bis auf die modernen Rauchgewohnheiten. Die waren vor 35 Jahren noch wesentlich gemütlicher. :D

      Als Fortbewegungsmittel hatten wir damals einen Pferdewagen gemietet, den wir dann durch Galway dirigierten. In manchen Dörfern wurden wir daher als Zigeuner eingestuft und man verschloß die Türen vor uns. :D

      In einem Pub gab es mal ein Mißverständnis, weil ich als Engländer eingestuft und mißtrauisch betrachtet wurde. Als ich mich dann jedoch als Deutscher zu erkennen gab, wurde ich schulterbeklopft mit den Worten "Der Adolf hätte es aber damals den Tommies so richtig gegeben." :D

      Ein liebenswertes Völkchen. :D

      Die Bilder sind immer noch im letzten Umzugskarton. ;)
    • Als ich mich dann jedoch als Deutscher zu erkennen gab, wurde ich schulterbeklopft mit den Worten "Der Adolf hätte es aber damals den Tommies so richtig gegeben." :D


      Das ist aber eine Sache, die sich zumindest bis 2002 nicht geändert hatte. Neben diesen Sprüchen, daß der Adolf eigentlich ein ganz Guter gewesen sei, wenn man mal über kleine Unzulänglichkeiten hinwegsähe und er es den Engländern ordentlich gezeigt hat, wurde ich einmal gedrängt die ungesungen Strophen des Deutschlandliedes in einem Pub zu singen.
      Ich zog mich dann mit einer unverfänglicheren, alten deutschen Weise aus der Affäre, die aber auch allgemeinen Anklang fand.
    • Ein Tag in Irland beginnt mit einem ausgiebigen Frühstuck. Ein echtes irisches Frühstück besteht aus sehr fettigen gebratenen Würsten, Speck, gekochten Bohnen in Tomatensoße, warmer Blut- und Leberwurst und gebratenen Eiern. Für den Festländer eine echte Herausforderung. Jedenfalls sollte man dieses Mahl auf jeden Fall einmal probiert haben. Wer es lieber "konservativ" liebt, sollte sich ein kontinentales Frühstück schmecken lassen.

      Das irische Brot ist etwas gewöhnungsbedürftig. Teilweise ist die Grenze zum Kuchen fließend. Das Weißbrot ist jedenfalls so knatschig wie in hiesigen Landen und läßt sich mit Butter und Marmelade zu einem schmackhaften Brei verrühren. Wurst (jedenfalls das, was ein Deutscher dafür hält) ist weitgehend unbekannt. Sofern verfügbar, wird auf die meist ausländische Herkunft hingewiesen. Der Ire nimmt seine Mähler viel fader als das Volk in hiesigen Breiten zu sich. Das ist verwunderlich, da Salz auf der Insel überall verfügbar ist.

      Frisch gestärkt sollte man sich nun auf einen Spaziergang begeben. Leider sind Wanderwege in Irland so gut wie nicht vorhanden. So ist man gezwungen, den Weg auf Landstraßen zu beschreiten. Sorgen Sie bei dieser Gelegenheit immer dafür, daß Sie für den Gegenverkehr gut zu sehen sind. Ansonsten besteht durch die sehr unübersichtlichen, an den Rändern oft von Hecken begrenzten Straßen, Lebensgefahr. Und das, obwohl die Iren alles andere als rücksichtslose Raser sind.

      Links und rechts der Landstraße sind viele verlassene Gehöfe zu finden. Sie zeugen von der Armut der Bewohner, die oft, vom Hunger gezwungen, nach England oder Amerika auswandern mußten. Dieser Umstand erklärt auch die vielen US-Touristen, die hier vermutlich auf den Spuren ihrer Vorfahren wandeln.

    • Wirklich sehr schöne Eindrücke, Herr Steuerzahler. Wenn wir mal irgendwann wieder ohne Kind in den Urlaub fahren, kommen Irland, Schottland und auch England sicherlich in die engere Wahl.
      Im Gegensatz zum Hirn meldet sich der Magen wenn er leer ist.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von pete ()